Zum Inhalt springen
ART — Advanced Realtime Tracking
Blog & Guides & Papers

Wenn Ihr 3D-Bild „schwimmt“: Testen Sie Ihr Koordinatensystem

Floating in LED- und Projektions-VR: Warum Screen-Größe und Tracking-Ursprung auf Millimeter stimmen müssen — und wie Sie das mit einem Brillen-Schnelltest prüfen.

  • VR
  • LED
  • Powerwall
  • Kalibrierung
  • Motion Tracking

Warum Objekte im Raum „schwimmen“

Man sieht es viel zu häufig — und es ruiniert den 3D-Effekt: schlecht kalibrierte Koordinatensysteme. Bei projizierten oder LED-basierten VR-Anlagen muss die relative Lage der Bildschirme im Tracking-Koordinatensystem auf Millimeter stimmen.

Stimmt sie, scheinen Objekte im Raum stillzustehen — Sie können sich per Tracking um sie herum bewegen oder mit ihnen interagieren. Stimmt sie nicht, schwimmen die Objekte und scheinen sich zu bewegen, sobald sich der Beobachter bewegt.

Warum Tracking für flächenbasierte VR so kritisch ist, erklärt auch Warum gutes Tracking für Stereo-LEDs und Projektionen unverzichtbar ist.

Was muss stimmen — und warum es nicht trivial ist

Zwei Dinge müssen exakt passen; keines ist so einfach, wie es auf den ersten Blick wirkt.

1. Größe der Bildschirme und Rechtwinkligkeit

LED-Bildschirme: Maßband oder technische Daten reichen. LED-Wände sind rechtwinklig und haben exakte Abmessungen.

Projektionen: Rechtwinkligkeit muss durch korrekte Aufstellung oder Trapezkorrektur (Keystone) sichergestellt werden. Bei der Größe lauert die erste Falle: Um eine scharfe Kante zu bekommen, werden Rückprojektionsleinwände oft etwas zu groß auf die Fläche ausgerichtet — der Rahmen schneidet dann scharf ab. Die Software geht aber davon aus, dass das gesamte Bild auf der gemessenen Leinwandgröße liegt; sichtbar ist in Wirklichkeit nur ein Teil.

Bessere Methode:

  1. Testbild mit einem Rahmen bei 80 % der Bildgröße erzeugen.
  2. Daraus die tatsächliche Bildgröße berechnen.
  3. Auch die Koordinaten der Bildmitte im Testbild messen — sie liegt nicht zwingend genau in der Rahmenmitte.

2. Lage des Tracking-Ursprungs und Parallelität zum Bildschirm

Hier hilft nur: genau messen und bei Bedarf mit Room Adjustment in DTRACK manuell nachjustieren, bis die Koordinatenlage stimmt. Kann das Tracking den Bildschirm „sehen“, eignet sich auch ein getracktes Target: Mit Body Adjustment die Messposition in einen Marker legen.

Hintergrund zu Room vs. Body Calibration: Die Tracking-Qualität lässt nach? → Neue Raumkalibrierung zuerst. Praxis-Tipps zu Targets: Target-Kalibrierung in DTRACK.

Schnelltest: Verzerrungskegel an der Stereo-Brille

Ob die Ausrichtung stimmt, zeigt ein geometrischer Effekt der 3D-Darstellung.

Nähert sich der Augpunkt dem Bildschirm, verzerrt sich das Bild stark. Normalerweise unerwünscht — hier nützlich:

  1. 3D-Darstellung laufen lassen, Tracking aktiv.
  2. Die Stereo-Brille langsam an den Bildschirm heranführen.
  3. Das Bild verzerrt sich zu Kegeln, die auf die Augen zeigen.
  4. Durchdringt die Brille die Bildebene, springt das Bild in die gegenüberliegende Richtung.

Je näher am Schirm, desto stärker die Verzerrung. Der Test prüft alle drei Dimensionen: Die Kegel müssen genau auf beide Augen zeigen — also auf die Mitten der Brillengläser. Zeigen sie daneben oder zu hoch/tief, stimmt die jeweilige Ursprungslage nicht.

Feintest: Tiefenlage bewusst um 5 cm verschieben und prüfen, ob der Sprung 5 cm vor dem Screen stattfindet.

Fazit

Mit diesem Schnelltest erkennen Sie sofort, ob das Koordinatensystem korrekt liegt. Eine präzise Ausrichtung erhöht den Realismus und verringert Ermüdung bei längerer Nutzung — besonders in CAVEs, Powerwalls und Mixed-Reality-Setups.

Weiterführend